Ein echtes Altstaufner Wirtshaus

Ein langjähriger Traum hat sich für Günther Lösch erfüllt: Als neuer Sonnenwirt kann er jetzt seine Gäste in Oberstaufen begrüßen, nachdem er 14 Jahre im „Grinzing“ und zwei Jahre im „Fässle“ der Wirt war. Die „Sonne“ ist als eines der wenigen verbliebenen echten Altstaufner Wirtshäuser ein Traditionshaus, das mit seinen über 300 Jahren natürlich unter Denkmalschutz steht. Der bauliche Zustand machte es jedoch notwendig, das Gebäude zu entkernen und neu aufzubauen. Im September 2011 waren die Bauarbeiten endlich abgeschlossen und die „Sonne“ ging wieder auf in Oberstaufen.

Bis ins Jahr 1723 lässt sich die Geschichte des Hauses zurückverfolgen, wie Thilo Ludewig in seiner „Kleinen Plauderei über Häuserschicksale an der Lindauer Straße“ zu berichten weiß. Es handelte sich um ein Bäckeranwesen, das bis ins 19. Jahrhundert der Bäckerfamilie Aichele gehörte. Es folgten andere Besitzer, die mit mehr und weniger Erfolg das Gasthaus führten, zu dem es mit dem Erwerb der Tafernwirtsgerechtigkeit geworden war.


Staufens Ski-Vater Gebhard Kirchmann

1893 kam die „Sonne“ in den Besitz von Gebhard Kirchmann. Damit begann 1908 die ruhmreiche Geschichte der Staufner Wintersportveranstaltungen, als unter seinem Vorsitz der Ski-Club Oberstaufen gegründet wurde. Weitere Vorstandsmitglieder waren Michael Koch, Kurt Schädler, Josef Hürlimann und Fritz Hollweck. Gebhard Kirchmann selbst wurde als Skilauf-Pionier zum unvergessenen Staufner „Skivater“, der weit über die Grenzen Oberstaufens hinaus bekannt war.

1909 war er auch Mitbegründer des Allgäuer Skiverbandes. Im selben Jahr überließ er die Gaststätte seinem Bruder, dem Bäckermeister Ludwig Kirchmann, dem Großvater des heutigen Eigentümers gleichen Namens.

Wie einst, als sich in der „Sonne“ Jung und Alt, Einheimische und Gäste trafen, um zusammen zu sitzen, zu reden, zu trinken und zu essen, soll das Haus nun wieder ein Treffpunkt werden, mitten im Ort und doch ruhig gelegen. Bei schönem Wetter stellen „Günni und Ilona“ – das Wirtspaar – dann noch die Gartentische und -stühle auf die Straße und servieren drinnen und draußen köstliche hausgemachte Kuchen und Torten und eine bodenständige, ehrliche Küche, die regionale Spezialitäten bevorzugt.